Der Held hat seine Eintrittskarte für die Eintracht

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Jörg Döhmer Bild Habel.Elf
Jörg Döhmer Bild Habel.Elf

Jörg Döhmer fährt mit dem Rad zum Pokalfinale nach Berlin – nur das Ticket fürs Stadion fehlte ihm beim Start noch. Aber ein guter Eintracht-Geist hilft.

Der Weggefährte heißt Ridetronic und kann eine große Hilfe sein. Ridetronic ist nämlich ein Fahrrad mit zuschaltbarem Elektroantrieb, und wenn man 542 Kilometer vor sich hat … „Das wiegt aber nur 16 Kilo“, sagt Jörg Döhmer. „Den größten Teil der Strecke fahre ich ohne Unterstützung.“

Respekt. Der 64-Jährige ist auf dem Weg nach Berlin, dorthin, wo es jetzt wieder alle Eintrachtfans hinzieht: ins Olympiastadion. Die Eintracht steht im Finale um den DFB-Pokal, und alle wollen dabei sein. Man könnte freilich bequemer nach Berlin reisen als mit dem Rad. Wieso die Anstrengung? „Ich wollte die Tour schon immer mal machen, ich hab‘ Verwandte da“, sagt Döhmer. Und als klar war, dass die Adlerträger ins Finale einziehen, habe seine Frau gesagt: „Dann fahr doch mit dem Rad.“

Und so geschieht es nun. „Die Spieler quälen sich für den Pokal, ich quäl mich auch“, sagt der Mann, der einst aus Kassel nach Frankfurt kam und sein Herz an die Eintracht verlor. Zwei Satteltaschen, einen Ersatz-Akku und Asthmaspray hat der Fan dabei, als es am frühen Sonntagmorgen losgeht, und zwar am Kulturtreff „Habel.elf“, für den er offiziell fährt – stilecht im Radtrikot mit Logo. Der Rennstall – also der Habel.elf-Verein – sammelt Spenden für jeden einzelnen Kilometer der Radreise und informiert das Publikum täglich auf seiner Facebookseite über den aktuellen Verlauf. Das Sponsorengeld soll der Jugendkasse der Turnerschaft Heddernheim zugutekommen, dort hat der Kulturverein sein Quartier: in der Habelstraße 11.

Das Projekt mit dem Pokalfinale hatte nur einen Haken: Jörg Döhmer besaß noch keine Eintrittskarte, als er losfuhr. Ihn traf das Schicksal vieler Dauerkarteninhaber in diesem Frühling: kein Glück bei der Verlosung für Berlin. Ob vielleicht ein Sponsor helfen könnte, fragte er sich. Die Energieversorgerin Mainova fiel dem E-Bikefahrer ein. Oder womöglich die Eintracht selbst? Aus dieser Richtung kam dann auch spontan die Hilfe, als der FR-Bericht in der Zeitung stand. Ein Mann aus dem SGE-Umfeld hatte ein Kaufticket übrig, weil ein Freund kurzfristig absagen musste. Das bekommt Jörg Döhmer jetzt zum Originalpreis. Die Freude ist riesig.

„Jeder Heddernheimer in Berlin ist ein Guter“, wirbt Habel.elf-Vorstand Markus Schmid und ist für das Finale optimistisch: „Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Überraschung“, sagt er mit einem Augenzwinkern, „vor allem mit einem Heddernheimer mehr. Unser Glücksbringer muss nach Berlin!“

Und so geht es also in aller Frühe los, gestärkt mit Espresso und Croissants vorm Vereinsstützpunkt. Die ersten zwei Etappen nach Bad Salzschlirf und Leinefelde waren die härtesten, danach wird die Strecke flacher. Aber einen Rückzieher konnte er sowieso nicht mehr machen: „Ich habe Markus ja schon Bescheid gesagt.“

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