Die Umbenennung von Straßen und Gassen in Heddernheim bei der Eingemeindung nach Frankfurt

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Zum scharfen Eck
Zum scharfen Eck

Ein Beitrag zur Heddernheimer Geschichte von Klaus Gülden.

Als das Dorf Heddernheim am 1. April 1910 in die Stadt Frankfurt am Main eingemeindet worden war, mussten viele Straßen und Gassen, da es sie schon in Frankfurt gab, neu benannt werden.

Ich stelle mir gedanklich vor, ich komme von Eschersheim über die Niddabrücke in unseren alten Stadtteil und betrete vor ihrer Umbenennung die Frankfurter Straße (Heddernheimer Landstraße), dabei stoße ich an der Ecke der Langstraße (Alt-Heddernheim) auf die Wirtschaft „Zum scharfen Eck“, die mein Großvater Ludwig Gülden (1872-1933) ab 1907 betrieb, wo auch seine Söhne Willy (1901-1989) und Karl (1907-1945) aufwuchsen. Heute finden wir dort einen Kinderladen („Haifischladen“). Wenn wir die Langstraße weiter gehen, treffen wir rechts auf die schmale Bendelgasse und danach auf die Schulgasse (Diezer Straße). Gegenüber hatte meine Familie 1912 die Wirtschaft „Zum Gambrinus“ erworben. Bis 1956 war sie auch mein Zuhause.

Weiter geht es von der Langstraße links in die Wiesengasse (Herborner Straße). Die Verlängerung der Langstraße hieß noch „Gänsweide“ – heute auch Alt-Heddernheim – und führte zum „Buweloch“ an der Nidda, wo der Kerbeplatz ist.

Von der Praunheimer Straße (In der Römerstadt) zweigten links die Schloßgasse (Wenzelweg), rechts die Sackgasse (Wörbachstraße) und auf der Höhe „Alter Friedhof“ die Castellstraße (Kastellstraße) ab. 

Die zur Langstraße parallel verlaufenden Straßen waren die Taunusstraße (Oranienstraße), die Kirchstraße (Heddernheimer Kirchstraße), die Rossertstraße (Severusstraße), die Jahnstraße (Mark-Aurel-Straße), die Römerstraße (Antoninusstraße), die Augustusstraße, die Varusstraße (Domitianstraße) und die Hadrianstraße (Titusstraße).

Die nach Norden führenden Straßen hießen vor der Eingemeindung: Altkönigstraße (Habelstraße), Feldbergstraße (Gerningstraße), und Saalburgstraße (Cohausenstraße).

Von der Frankfurter Straße zweigen neben der Langstraße die Neugasse (Nistergasse) und die Mühlgasse (Dillgasse) ab. Nach Norden führte auch die Niddastraße (Dillenburger Straße). Neu entstanden sind die Brühlstraße und die Nassauerstraße.

Die Nesselbuschstraße lag damals außerhalb des Dorfes und hieß „Eigenheimstraße“.

Anzumerken ist, dass nicht alle Straßen durchgehend bebaut waren – besonders im „Klavierviertel“ – (Antoninus-, Augustus- und Domitianstraße zwischen Habel- und Heddernheimer Landstraße) – wie alten Adressbüchern und Straßenplänen zu entnehmen ist. So war die Wirtschaft „Zur Saalburg“ in der Römerstraße 7. Heute ist es die Antoninusstraße 22.

Die alten Namen im Dorfkern behielten nur die Bendelgasse, die Kastellstraße, die Augustusstraße und die Hessestraße (nach den Gründern der Heddernheimer Kupferwerke). Die neuen Straßennamen bezogen sich auf die Römerstadt „Nida“(Namen römischer Kaiser), die Erforscher der Geschichte dieser Stadt (Habel, Gerning und Cohausen), die Zugehörigkeit Heddernheims zum Herzogtum Nassau von 1806-1866 (Diezer-, Herborner-, Oranien-, Dillenburger- und Nassauerstraße mit Dillgasse, Nistergasse und Wörbachstraße), sowie Flurbezeichnungen (Brühl- und Nesselbuschstraße).

An Philipp Wolfgang von Praunheim-Klettenberg und Philipp Wilhelm von Riedt, die das Dorf Heddernheim in seiner geschichtlichen Entwicklung förderten und vom 16. Bis zum 18. Jahrhundert voran brachten, erinnert keine Straße.

Aber das ist ein anderes Thema. –  

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