Frankfurt-Nordwest: „Ortsbeiräte sind Bürgerbeteiligung par excellence“

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Sitzung des Ortsbeirat 8
Sitzung des Ortsbeirat 8

Joachim Rotberg sitzt seit 30 Jahren im Ortsbeirat 8 – und hat noch Ziele. Das Gedenken an Wilhelm Merton war ihm immer wichtig.

Seit 30 Jahren gehört Joachim Rotberg als Mitglied der CDU-Fraktion dem Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) an. Und das ist kein Zufall: Ortsbeiräte sind für Rotberg eine wichtige Ebene der Demokratie, eine „Bürgerbeteiligung par excellence“, und damit unverzichtbar. Seine Arbeitseinstellung lautet: Inhaltlich gut vorbereitet und sachlich in der Diskussion sein. Wegen der Nähe zum Bürger und zur Bürgerin macht ihm sein ehrenamtliches Engagement immer noch Spaß. Auch wenn es viel Zeit kostet, wie er zugibt.

„In meinem Elternhaus wurde viel und offen politisch diskutiert“, erklärt der 1970 geborene Rotberg. Das habe ihn geprägt. 1989 tritt er in die CDU ein. Mit 23 Jahren steht er erstmals auf der Kandidatenliste der CDU für den Ortsbeirat 8 und zieht 1993 als achtes Mitglied der Fraktion in das Gremium ein. „Als so junger Neuling springt man erst einmal ins kalte Wasser“, erinnert sich Rotberg.

„Ich musste lernen, dass nicht jede politische Idee, die ich einbringe, Begeisterung hervorruft“, ergänzt der 53-Jährige lachend. Ebenso wird ihm mitgegeben, dass man auch mal wegen eines Anliegens bei der Stadt anrufen kann, statt nur Anträge an die Verwaltung zu schicken.

Bereits 1997 wird Rotberg zum Ortsvorsteher gewählt, gibt den Posten aus beruflichen und privaten Gründen nach vier Jahren aber wieder ab. Rotberg, der in Frankfurt Geschichte, katholische Theologie und Politikwissenschaft studiert hat, arbeitet zu dieser Zeit bereits in einem wissenschaftlichen Projekt des Bistums Limburg zur „Auffindung und Entschädigung für Zwangsarbeiter in der Katholischen Kirche“ mit und promoviert zu diesem Thema. Seit August 2005 ist er Pressesprecher der CDU-Fraktion im Römer.

Für Rotberg, der bereits in allen Stadtteilen des Ortsbezirks gelebt hat, sind Identität und Geschichte der Ortsteile eine Herzensangelegenheit. Die Sanierung des denkmalgeschützten Niederurseler Rathauses sei ein großer Erfolg.

Ebenso war er maßgeblich am Gedenkstättenkonzept für das Arbeits- und Erziehungslager in Heddernheim beteiligt. Von seinem ersten Antrag bis zur Fertigstellung habe es zehn Jahre gedauert, gibt er einen Eindruck von der Geduld und Hartnäckigkeit, die Ortsbeiräte manchmal brauchen.

Auch das Gedenken an Wilhelm Merton, nach dem das Anfang der 1990er-Jahre entstandene Viertel benannt ist, sei ihm wichtig gewesen. Merton sei ein sozial engagierter Unternehmer (Heddernheimer Kupferwerke) und Mitbegründer der Goethe-Universität gewesen. Seine Familie wurde in der NS-Zeit enteignet und musste emigrieren. Aufgrund seines Antrags sei eine Kopie-Büste von Wilhelm Merton mit einer Gedenktafel in der Mertonpassage installiert worden. Die von ihm ebenso beantragte Ausstellung habe es bedauerlicherweise nicht gegeben. Aber aktuell sei eine Ausstellung über Wilhelm Merton im jüdischen Museum zu sehen.

„Zu drei Jahrzehnten kommunalpolitischer Arbeit gehören Erfolge, Misserfolge und ungelöste Dauerthemen dazu“, resümiert Rotberg. Aber es brauche auch Ziele. „Ich möchte gerne noch erleben, dass die Ernst-Reuter-Schulen saniert werden und – nach dem Wegzug der Europäischen Schule – hier das alte Schulzentrum mit Sportanlagen wieder hergestellt wird.“

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