Ein Kapitän geht immer voran

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Detlef Alexander, Vorsitzender der Heddemer Käwwern, freut sich auf den UMzug durch Klaa Paris. Im Hintergrund: Die Gemaa Bumb, der Brunnen, den die Heddernheimer Fastnacht ehrt. © Renate Hoyer
Detlef Alexander, Vorsitzender der Heddemer Käwwern, freut sich auf den UMzug durch Klaa Paris. Im Hintergrund: Die Gemaa Bumb, der Brunnen, den die Heddernheimer Fastnacht ehrt. © Renate Hoyer

Detlef Alexander, Vorsitzender der Heddernheimer Käwwern, hat trotz der vielen Arbeit noch Freude an der Fastnacht. Am Dienstag ist Umzug durch Klaa Paris.

Es gibt so Figuren, die man in stürmischen Zeiten um sich herum wissen möchte. John Maynard bringt uns sicher nach Buffalo, Käpt’n Iglo zeigt uns die besten Fischgründe. Detlef Alexander geleitet uns durch die Fastnacht. Der 55-Jährige ist auch so einer, den kaum etwas aus der Ruhe bringt. Seien es Kamellen oder Kalauer, die wüst umherfliegen, seien es die neusten bürokratischen Bestimmungen, die sich in Leitz-Ordnern im Weg auftürmen. Der Vorsitzende des Fastnachtsvereins Heddemer Käwwern behält den Überblick.

„Man lässt es kommen, viele Dinge kann man selbst auch nicht beeinflussen“, sagt er. „Dann füllen wir halt ein Formular mehr aus.“ Ein bisschen bedrücke ihn das schon, gibt er später zu. Die immer aufwendigeren Genehmigungsverfahren, die steigenden Preise, wie darauf reagieren? Selbst die Preise zu erhöhen, ist schwer. „Dann essen und trinken die Leute zu Hause.“ Für den Klaa-Pariser-Umzug hat er 70 bis 80 Kilo Süßigkeiten selbst eingekauft. „Das machen die meisten so, die auf den Wagen mitfahren“, sagt er. Die Vereine können die Kosten nicht alleine stemmen. 280 Euro hat Alexander im Großmarkt gelassen. „Zum Fenster hinausgeworfen“, flachst er, also, er wird es vom Wagen werfen. Aber: „Wenn sich ein paar Kinder freuen, ist es das wert.“

Überhaupt, sagt er dann kämpferisch, „wenn uns der Spaß ausgeht, wie sollen wir dann die Mitglieder motivieren?“. Also heißt es, gelassen bleiben. Rausgehen in die Kälte für ein Foto für die Presse? Kein Problem. „Das sind wir von Umzügen gewohnt“, sagt er. Und erzählt trocken, ohne groß auszuschmücken, wie er mal bis auf die Skiunterwäsche nass geregnet worden und die Kleidung daraufhin durchgefroren sei. Da habe er sich bewegt wie ein Männchen aus Pappmaché. Wohlgemerkt, nicht wie ein Eisblock, wie ein Pappenheimer.

Die kennt Alexander gut, seine Pappenheimer. Die Heddemer Käwwern sind der älteste und auch größte Frankfurter Fastnachtsverein. Im Oktober 1881 gegründet, haben sie 1882 die erste Heddernheimer Fastnacht ausgerichtet. Heute zählt Alexander 470 Menschen im Club. Wie ein großes Unternehmen führen, so beschreibt er seine Aufgabe. Allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Ein Chef kann seine Angestellten herumkommandieren. „Wenn ich das mache, zeigen die mir einen Vogel.“ Die Zeit im Verein, das sei ja Freizeit. Da will sich keiner ärgern.

„Man muss den richtigen Ton treffen, wenn man was möchte“, sagt der Steuermann. Und geht voran. Baut mit auf, spült, baut mit ab. Das zweite Erfolgsgeheimnis: „Man muss den Leuten auch was bieten.“ Sogar außerhalb der närrischen Zeit. Die einzelnen Gruppen im Verein unternehmen viel miteinander, machen Ausflüge, grillen. Alexander sagt aber auch, dass es ein großer Verein leichter habe, Angebote zu machen, Freiwillige zu finden, weil die Arbeit nicht an einigen wenigen kleben bleibe.

Die Corona-Pause hat man jedenfalls gut überstanden, hat Onlinesitzungen ausprobiert und sich umeinander gekümmert. „Manche Vereine haben jetzt Anlaufschwierigkeiten“, sagt Alexander. Viele Sitzungen seien ausgefallen. Nicht so bei den Käwwern. „Bei der Kindersitzung mussten wir sechsmal Stühle dazustellen.“

Alexander erzählt das alles recht nüchtern. Nur ab und an verrutscht die Bierruhe etwas, dann beginnt sein Gesicht zu leuchten. Wenn er davon berichtet, wie die Kinder- und Tanzgruppen die Seniorenheime besuchen und die alten Menschen sichtlich begeistert die Gassenhauer mitsingen. Da strahlt auch Alexander.

Dabei ist er zur Fastnacht gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Der Liebe wegen. Gut, als kleiner Junge habe er die Straßenfastnacht erlebt. Habe mit großen Augen am Wegesrand gestanden und sich über die Bonbons gefreut. In der Adoleszenz waren andere Dinge wichtiger: Disco, Kneipe, Freunde, die Ausbildung. Alexander ist heute stellvertretender Filialleiter bei der Sparkasse. Anzugträger ist er nicht. Eine Erhebung unter Kund:innen habe ergeben, dass ihnen das Outfit der Bankberaterinnen und Berater nicht viel bedeute, berichtet Alexander.

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