Die Güldens: Eine Familiengeschichte aus dem alten Heddernheim

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Klaus Gülden in Alt Heddernheim 41 (Heutige Speisekammer)
Klaus Gülden vor dem Haus in Alt Heddernheim 41 (heutige Speisekammer). Nebenan eine Station der Fronleichnamsprozession 1952

Der Geschichte Heddernheims sind bereits zahlreiche Publikationen gewidmet. Vor allem die römische Vergangenheit als Nida ist immer wieder Gegenstand historischer Forschung.

Von Sören Rabe
Wer allerdings an der Geschichte der Menschen in Alt-Heddernheim interessiert ist, der ist bei Klaus Gülden (63) gut aufgehoben.

Der gebürtige Heddernheimer ist kein Heimatforscher im eigentlichen Sinne, «ich interessiere mich mehr für die Menschen, die hier gelebt haben». Sein Interesse hat er bereits in frühen Jahren entdeckt und rührt aus der Familiengeschichte. Die Großeltern, Maria und Ludwig Gülden, hatten sich als Gastwirte selbstständig gemacht. 1904 bis 1907 pachteten sie die Gaststätte «Scharfes Eck» in Alt-Heddernheim/Ecke Heddernheimer Landstraße, von 1907 bis 1912 die Gaststätte «Saalburg» (Antoninusstraße/Ecke Cohausenstraße). 1912 kauften sie dann die Gaststätte Gülden in Alt-Heddernheim 41, heute die «Speisekammer». Während der Großvater mit seinen zwei Söhnen Karl, Klaus Güldens Vater, und Willi im Anbau noch eine Metalldreherei betrieben, diente der vordere Teil als Gasthaus. Dort verbrachte Klaus Gülden seine Kindheit und Jugend. 1956, er war gerade 15 Jahre alt, zog er mit Mutter Paula aus. Denn Vater Karl überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht und starb im Februar 1945 in einem Lazarettzug. Die Großmutter führte die Gaststätte noch bis zu ihrem Tode 1953, der Großvater war bereits 1933 verstorben.

Gerade die bruchstückhaften Erinnerungen an den Vater weckten das Interesse von Klaus Gülden an frühere Zeiten. Wenn er durch die Straße Alt-Heddernheim geht, gerät er ins Schwärmen. «Hier war einmal eine Metzgerei, hier haben wir früher als Kinder gespielt.» Das Wissen über die Menschen, die hier einmal gelebt haben, scheint unendlich. Freunde und Bekannte fragen ihn gern, wenn sie einmal etwas über Heddernheim wissen wollen. Jetzt, kurz vor seiner Pensionierung, hat der studierte Betriebssoziologe, der bei der IG Metall arbeitet, erstmals eine Führung durch den Stadtteil übernommen. «Ich kann mir vorstellen, dass ich das zukünftig öfter machen werde.» Die Zeit dafür habe er bald ja.

Dabei beschränkt sich Klaus Gülden aber nicht auf die neuere Zeit, denn auch über die früheren Jahre hat er viel zu berichten. Zum Beispiel über die Entstehung des Schlossbezirks im 18. Jahrhundert im heutigen Alt-Heddernheim oder den Bau der Michaelskapelle um 1512. Oder die Geschichte des berühmtesten Gemeindemitgliedes, Raphael Moses, der 1837 einwanderte und den Namen Merton annahm. Zu sehen ist in Alt-Heddernheim auch noch die frühere ortseigene Brauerei, heute dient sie als Doppel-Wohnhaus.

Doch unweigerlich kommt Gülden immer wieder auf die Jahre seiner Jugend zu sprechen. «Am Buweloch hatten die Amerikaner eine Kantine eingerichtet. Da haben wir von den Soldaten immer Weißbrot mit Marmelade bekommen.» Die Kantine war für die Armeeangehörigen eingerichtet, die die Römerstadt besetzt hatten. Noch bis vor sieben oder acht Jahren sei das Fundament der Kantine sichtbar gewesen.

Heute wohnt Klaus Gülden nur ein paar Straßenzüge entfernt von Alt-Heddernheim. Doch die meisten kennen ihn hier noch. Ohne die eine oder andere Plauderei kann er nicht durch die Straße gehen. Im Herzen ist er eben noch immer ein Alt-Heddernheimer.

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